Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 22.11.2002:

 

"U wie Uerige

 

Herbstlichen Wettertiefs zum Trotz lässt sich in der Düsseldorfer Altstadt tagein tagaus ein wahres Wunder beobachten: Es ist nicht nur im Uerigen ständig voll, nein, sogar vor der Traditionsbrauerei halten sich Menschenmassen beharrlich an ihrem Glas Altbier fest. Unter anderen Umständen würden sich waschechte Rheinländer sicherlich nicht in direkte Nähe zu den auswärtigen Kegel- und Fußballclubs begeben, die in Scharen in die Landeshauptstadt pilgern. Im Uerigen allerdings ist das anders. Der Durst auf den obergärigen Gerstensaft vereint sogar die volltrunkene Junggesellenrunde mit dem Oberkasseler Adel.

 

Woher kommt diese Lust am herben Gebräu? Sucht man des Rätsels Lösung auf Seiten der Services, so werden viele abwinken. Nicht, dass die Kellner unfreundlich wären. Aber der oftmals kommentarlos gezogene Strich auf dem Bierdeckel, nachdem das nächste Alt derart wuchtig auf den Tische gestellt wurde, dass es überschwappt, ist kein Akt besonders fürsorglicher Zuwendung. Manch böswillige Zunge würde dieses Verhalten ruppig nennen, doch scheint es Masche zu sein. Der Name Uerige ist Programm. Die Hausbrauerei verdankt ihn nämlich ausgerechnet den unberechenbaren Launen eines früheren Inhabers, der das Eckhaus an der Berger Straße im Jahre 1862 übernahm.

 

Wilhelm Cürten war nicht gerade ein Ausbund an Fröhlichkeit. Man sagt, der gelernte Bäcker, Brauer und Wirt habe das Haus nur für den Kirchgang verlassen. Niemals habe er gelacht, meist sei er übel gelaunt gewesen. Mit anderen Worten war Cürten im Gegensatz zu seinem Bier gänzlich ungenießbar. Seine Stammgäste nannten ihn daraufhin in Düsseldorfer Platt "ueriger Wilhelm", was so viel heißt wie miesepetriger Wilhelm. Man traf sich von nun an nicht mehr im "Heidelberger Faß", wie die Brauerei ursprünglich hieß, sondern ging zum Uerigen. Auch der Nachfolger Cürtens, Rudolf Arnold, hat dem Namen alle Ehre gemacht. In seinem verbeulten grauen Anzug trug er stets ein paar Groschen bei sich, die für all jene reserviert waren, die sich beschwerten, wenn unter den Eichstrich gezapft wurde. "Das ist der Ersatz", pflegte er zu sagen und drückte dem Verdutzten eine Münze in die Hand. Wagte es jemand, sich ein zweites Mal zu beschweren, murrte Arnold bedrohlich, er lasse sich nicht prellen. Bier könne man ja auch woanders trinken. Als die Behörde für den im Lokal ausgeschenkten Schnaps Steuern einfordern wollte, ließ der geizige Hausherr ein Schild aufhängen: "Schnapskonsum ist hier untersagt, es schadet Ihrer Gesundheit und meinem Geschäft!". Das Uerige ist auch ohne Hochprozentiges bis heute eine Institution, und der Erfolg gibt der Hausbrauerei Recht: Miesepeter kommen doch voran - und wie."

 

Autorin: Christine Kuhn

 

Link zur Süddeutschen Zeitung im Internet: SZ

 

Link zum Uerigen im Internet. Uerige

 

 

 

Ein Artikel (eingescannt, ca. 210kb) aus dem weltbekannten Füchschen (ca. 130kb) - dem Hausmagazin der Brauerei im Füchschen - über meine kleine Homepage.

Es ist kein richtiger Artikel, aber immerhin wurde die Seite erwähnt....

 

Uerige & Füchschen