Artikel aus dem Kölner Express vom 28.03.2003:                                                                                  Von CHRIS MERTING

 "Schramma legt den Rat trocken

Kölsch-Verbot: Politiker bekommen bei Sitzungen keinen Alkohol mehr

Köln – Erst die Finanzkrise und jetzt das: Im Kölner Rathaus herrscht während der Sitzungen ab sofort striktes Kölsch-Verbot. Damit reagierte die Stadtspitze auf Beschwerden der Grünen. Ihnen wurde es zu späterer Stunde im Rat gelegentlich zu laut.

Ja, der Alkoholausschank während der Sitzungen ist gestrichen, hieß es dazu trocken aus dem Büro des Oberbürgermeisters Fritz Schramma. Darauf hätten sich die Fraktionen und der OB geeinigt. Aber wohl nicht alle. Denn die Liberalen sind stocksauer. „Das haben wir den grünen Spaßbremsen zu verdanken“, schimpft FDP-Fraktionschef Ralph Sterck.

„Kölsch-Verbot. Das geht zu weit! Was kommt als nächstes, ein Gummibärchen-Verbot?“ Wie konnte es zur kölschen Prohibition kommen? Alkohol gab es im Rat nur im benachbarten Muschelsaal. Dort zogen sich Politiker während der Debatten gerne mal zurück, um Hintergrundgespräche zu führen. Bei einem Glas Kölsch. Zeitweise waren dort mehr Politiker als im Plenum.

Das störte die Grünen. Sie sitzen direkt am Eingang zur Kölsch-Oase. Und mit dem Alkohol- stieg dort der Lärmpegel. „Es war zu ab und zu unheimlich schwer, die Reden überhaupt noch zu verstehen“, sagt die Fraktionschefin der Grünen, Barbara Moritz. Aber deswegen gleich ein Kölsch-Verbot? Moritz: „Wenn das so ist, dann ist es eben so. Ich habe damit keine Probleme.“

Aber andere. Bei der letzten Ratssitzung wurden Politiker beobachtet, wie sie das Rathaus eilig verließen, in die Altstadt sprinteten, um ein schnelles Kölsch zu zischen. Nun formiert sich eine parteiübergreifende Kölsch-Front. SPD-Chef Martin Börschel: „Ich hätte nichts dagegen, wenn es bald wieder Kölsch gibt.“ FDP-Sterck: „Ein Kölsch im Rat ist Tradition.“

Die Lage im Rat ist ernst, bierernst.

 

 

Artikel aus der Rheinischen Post vom 01.02..2002:                                                                            Autor: Herbert Bongartz

 "Leverkusen (RP).

Jetzt haben die Düsseldorfer und Kölner ein weiteres Thema, über das sie sich trefflich streiten können. Es geht mal wieder ums Bier - also um Kölsch und Alt. Doch diesmal ist es nicht der Geschmack des Gerstensaftes - sondern die Verträglichkeit und die körperlichen Reaktionen darauf.

Angefangen hatte alles vor mehr als einem Jahr, als zwei Patienten zu Norbert K. Mülleneisen kamen. Sie hatten beim Kölschtrinken allergieähnliche Beschwerden bekommen: Kopfschmerzen, Hitzegefühl, Gesichtsrötung, Magen-Darm-Beschwerden, niedriger Blutdruck und Asthmaanfälle. Die klassische Allergie-Suche auf Brauereihefe und Hopfen habe damals nichts ergeben, erzählt Mülleneisen. "Die Patienten und ich waren enttäuscht." Aber der Allergologe, Umweltmediziner und Lungenfacharzt ließ nicht locker. Er wälzte medizinische Fachliteratur und stieß dabei auf eine als Pseudo-Allergie bezeichnete Histamin-Unverträglichkeit. "Es schien alles so einfach", sagt Mülleneisen. Man muss nur die Histaminkonzentration im Blut bestimmen.

Histamin abbauen

Wenn der Wert zu hoch ist, dann ist die Ursache klar. Aber kein einziges Labor in Deutschland konnte die Bestimmung vornehmen. Als er dieses Problem mit dem Leverkusener Labormediziner Ernö Dux besprach, war der sofort Feuer und Flamme, selbiges zu lösen. Nach zahlreichen Versuchen gelang es den beiden Forschern, das Histamin und auch das Histamin abbauende Enzym Diaminoxidase (DASO) zu bestimmen. "Erst allmählich wurde uns klar, dass wir unterschiedliche Kölschsorten untersuchen mussten", erzählt Norbert K. Mülleneisen. "Wir wussten auch, dass Weizenbier eine hohe Histaminkonzentration hat."

Normales Bier sollte nur eine Histaminkonzentration von 50 Nanomgramm pro Milliliter haben. "Die Ergebnisse haben uns überrascht", so Mülleneisen. Denn bei zahlreichen Kölschsorten waren die Werte höher als erwartet. "Nicht direkt gesundheitsgefährdend, aber empfindliche Menschen wie Allergiker und Asthmatiker können bei manchen Kölschsorten durchaus Beschwerden bekommen." Das könne nach einem Glas passieren, oder nach zehn."

 

der Rest...